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16.11.2021

Erneuerbares Heizen zum neuen Menu 1 machen

Das Energiegesetz setzt beim Heizungsersatz einen neuen Standard: 100% erneuerbar. Diese Lenkung hin zu klimafreundlichen Heizungen führt zu Investitionen, die sich volkswirtschaftlich lohnen. Darüber hinaus profitieren aber auch Hausbesitzer:innen, die lokale Wirtschaft und das Klima.

 

“Grüezi, Ihre Ölheizung muss demnächst ersetzt werden. Hier ist Ihre Offerte für eine Neue”, sagt die freundliche Installateurin. Die Hausbesitzerin nimmt das Angebot dankend an, schliesslich hat sie gerade Besseres zu tun, als sich um ihre Heizung zu kümmern. Diese verkürzte, fiktive Szene spielt nicht etwa in der Vergangenheit, sondern im Jahre 2021. Im Kanton Zürich wird heute immer noch jede zweite Öl- und Gasheizung wieder durch eine Öl- oder Gasheizung ersetzt. Dabei hat gemäss einer Studie der Stadt Zürich über die Hälfte der Personen, die ein fossiles System gewählt haben, ein nichtfossiles System gar nicht in Erwägung gezogen. Das Einbauen neuer fossiler Heizsysteme bringt aber mit sich, dass für die nächsten 25 Jahren hohe CO2 Emissionen verursacht werden.  

Die Entscheidung der Hausbesitzerin ist zwar naheliegend, aus volkswirtschaftlicher Sicht aber nicht optimal. Wegen der tieferen Betriebs- und Unterhaltskosten lohnen sich Investitionen in neue Technologien trotz höherer Anfangsinvestitionen. Das Heizen wird so bis zu 30 Prozent günstiger als mit Öl und Gas. Voraussetzung ist, dass erneuerbare Energien und effiziente Technologien dort angewendet werden, wo ein Ersatz ohnehin nötig ist oder ein Neubau erfolgt. Genau dies sieht das Energiegesetz vor.  

 

Ein neues Menu 1

Das Energiegesetz macht die erneuerbare Heizung zur neuen Standardeinstellung und schafft so Planungssicherheit. Der Klimawissenschaftler Reto Knutti erklärt in der Sonntagszeitung treffend, wie die breite Masse für mehr Klimaschutz zu gewinnen ist: “Es braucht ein neues Menu 1.” Damit meint er, dass es einfache und attraktive Alternativen zu den heute gängigen Angeboten braucht. Knutti folgt damit den Theorien von Wirtschaftsnobelpreisträger Daniel Kahneman. Dieser beschreibt in mehreren Werken, wieso unser Gehirn nicht dafür gemacht ist, das Klimaproblem zu lösen. Wollen wir es dennoch schaffen, müssen wir unser Gehirn austricksen – zum Beispiel, indem wir die Auswahl vereinfachen. Das Energiegesetz bringt damit auch Planungssicherheit für Hausbesitzer, Investorinnen, Planer, Architektinnen, Installateure und die öffentliche Hand. Damit können Fehlinvestitionen vermieden und Effizienzverluste minimiert werden. 

 

Lebenszykluskostenansatz

Das Menu 1 wird aber nur empfohlen, wenn dieses auch günstiger ist. Mit dem Lebenszykluskostenansatz des Energiegesetzes wird tatsächlich die nötige Flexibilität gewährt, wie ein zweites fiktives Beispiel zeigt: Eine Besitzerin eines Mehrfamilienhauses in der Stadt Zürich möchte die alte Ölheizung durch eine Wärmepumpe ersetzen. Sie möchte damit den Wert ihrer Liegenschaft steigern und etwas für die Umwelt tun. Die Energieberaterin rechnet den Fall durch und kommt zum Schluss, dass eine Gasheizung die beste Lösung ist. Die Wärmepumpe müsste im Dach integriert und einige Radiatoren müssten vergrössert werden. Obwohl die Energiekosten über die Lebenszeit bei einer Wärmepumpe tiefer sind, sind die Planungs- und Investitionskosten hoch. Für eine Pelletheizung hat es keinen Platz und einen Fernwärmeanschluss gibt es nicht. In diesem Fall greift die Ausnahmeklausel des Energiegesetzes und der Einbau einer neuen Gasheizung bleibt weiterhin möglich.

 

Lokales Gewerbe und das Klima profitieren

Unsere Heizungen energetisch auf Vordermann zu bringen, ist auch für die Wirtschaft von Vorteil: Damit verringern wir die aktuell hohe Abhängigkeit von Erdöl- und Erdgas-Ländern. Momentan fliessen 500 Millionen Franken jährlich von Zürich in Staaten wie Saudi-Arabien und Russland. Mit dem Energiegesetz bleibt das Geld hier und kommt direkt dem Zürcher Gewerbe zugute – denn der lokale Wertschöpfungsanteil der zukünftigen Heizungslösungen ist wesentlich höher als jener der Öl- und Gasheizungen. Mit diesem Energiegesetz werden zudem Innovationen für moderne Haustechnik-Systeme gefördert, die weltweit gefragt sind. Lokale Unternehmen können wachsen und es entstehen neue Arbeitsplätze. Da fast jede:r Installateur:in und jede:r Heizungslieferant:in neben fossilen auch erneuerbare Heizungen anbietet, ist das Energiegesetz ein guter Deal fürs Gewerbe. Neben seiner Wirtschaftstauglichkeit besticht das Energiegesetz auch durch seine Effektivität – es setzt dort an, wo auf kantonaler Ebene am meisten CO2 eingespart werden kann: Bei den Gebäudeheizungen. Es bringt konkreten Klimaschutz dank guter Entscheidungen bei jedem Heizungsersatz.

 

Kolumne zum Zürcher Energiegesetz | Franziska Barmettler

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